Kulinarische Streifzüge: 

Das Saarland feiert die Hülsenfrüchtewochen

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Das rollende, brennende Erbsenrad läutet die Zeit der Hülsenfrüchte ein. © Yannik Planta

Kulinarische Streifzüge im Saarland: Superfood Hülsenfrüchte

·         10. Februar „Internationaler Tag der Hülsenfrüchte“

·         Das „Erbsenrad“ in Wadrill rollt am 22. Februar 2026

·         2026: 11 Jahre Hülsenfrüchtewochen im Saarland 
                    (22.Februar bis 8. März 2026)

·         INTERVIEWPARTNER: Pioniere im Saarland: Bliesgau Ölmühle

 

2026: 11 Jahre Hülsenfrüchtewochen im Saarland

Vor etwa elf Jahren saßen Mary Frau Voss-Peter, damals langjährige Leiterin des Slow Food Conviviums Saarland, und Patric Bies, einer der Betreiber der Ölmühle Bliegau, bei einem ihrer Hülsenfrüchte-Abende zusammen und aßen Linsen & Co. Dabei entstand die Idee, im Saarland Hülsenfrüchtewochen zu veranstalten. Ihr Ziel war es, die Hülsenfrüchte mit all ihren Vorteilen ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Und sie kamen zu dem Schluss, dass das am besten über die saarländische Gastronomie geht. Schnell konnten sie Restaurants zum Mitmachen gewinnen. Und so feiert das Saarland 2026 zum 11. Mal die Hülsenfrüchtewochen. Vom 22. bis 8. März 2026 präsentieren die teilnehmenden Restaurants die große Vielfalt, kulinarische Raffinessen mit Erbsen, Bohnen, Linsen & Co. und bereiten den Gästen ein besonderes Geschmackserlebnis.

Geschichte der Hülsenfrüchte im Saarland

Erbsen, Linsen und Bohnen waren aus dem Leben der Menschen vor 500 Jahren und noch früher nicht wegzudenken. Das belegen eindrucksvoll die Funde aus der römischen Villa Borg. Dort weiß man dank archäobotanischer Untersuchungen sehr genau, welche Getreidesorten und damit auch Hülsenfrüchte angebaut wurden. Seit 1992 werden dort botanische Überreste geborgen und analysiert. Da sich aufgrund der Bodenverhältnisse in Borg Pflanzenreste in verkohltem Zustand erhalten haben, eignen sich besonders die Umgebung von Feuerstellen, Grubenverfüllungen und Brandschichten für die Entnahme von Bodenproben. Die Bodenproben werden zunächst in Wasser gelöst und dann fein gesiebt. Die so zurückbleibenden Getreidekörner, Hülsenfrüchte sowie Samen und Früchte von Wildpflanzen können nun von einem Archäobotaniker unter dem Stereomikroskop untersucht und bestimmt werden. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Getreidearten Dinkel und Emmer, Saatweizen und Saatgerste sowie die Hülsenfrüchte Erbse, Linse und Saubohne in der Region angebaut wurden und schon zur Römerzeit eine beliebte Speise waren.

Kulinarische Alltagskultur 

Auch zu anderen Zeiten hatten Hülsenfrüchte Hochkonjunktur. So gab es im Ersten Weltkrieg sogar eine Meldepflicht für den Anbau von Erbsen, Bohnen und Linsen. Wer zu viel erntete, musste diese bei der „Reichshülsenfruchtstelle“ abliefern. Auch die saarländische Bergbau- und Arbeitergeschichte war besonders erbsenreich. Vor 200 Jahren, als die Armen kaum Fleisch bekamen, lieferte das Gemüse viel Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine. Das Eiweiß wird praktisch erst entwickelt, wenn man die Bohne ausreifen lässt. Die grünen Bohnen sind somit wichtige Vitaminträger und schmecken als Grundlage von „Bibbelesches Bohnesupp“ sehr gut. Bohnen und Bohnenstangen gehörten zur saarländischen Alltagskultur. Früher war das Saarland ein Bohnenland. Allein im Dorf Lautzkirchen standen einst 20.000 Bohnenstangen, deren Ertrag wesentlich zum Lebensunterhalt der Lautzkirchener beitrug. Es gab prächtige Umzüge und sogar eine Bohnenkönigin wurde gekrönt. Ab 1950 ging der Anbau aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen stark zurück. Die alten Sorten verschwanden aus dem Saarland.

Brauchtum: Das Erbsenrad in Wadrill dreht sich noch heute

Es ist ein Brauch, der vermutlich aus keltischer Zeit stammt. Am ersten Sonntag nach Fastnacht dreht sich in Wadrill im nördlichen Saarland ein brennendes "Erbsenrad". Symbolisch soll dieses brennende Rad die in eisiger Kälte erstarrte, schlafende Natur wecken. Bis heute nennt man im Hochwald, diesen Sonntag: „Erbsensonntag“. Da dieser Sonntag aber auch der erste Tag ist, an dem offiziell die christliche Fastenzeit beginnt, läutet er im Saarland auch die Zeit der Hülsenfrüchte ein. Warum? Wer fastet, verzichtet in der Regel auf Süßigkeiten und Alkohol und reduziert oder verzichtet sogar ganz auf tierische Produkte. Auf Eiweiß muss und sollte in dieser Zeit nicht verzichtet werden, die vielfältigen Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen & Co. liefern sie. Informationen zum Erbsenrad hier.
 

Heimische Hülsenfrüchte - pflanzliche Alleskönner

Hülsenfrüchte sind wahre Nährstoffwunder, denn sie sind reich an pflanzlichem Eiweiß und enthalten wichtige Aminosäuren, die für den Muskelaufbau und die Zellbildung benötigt werden. Sie fördern die Darmgesundheit und wirken sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. Außerdem sind Hülsenfrüchte gut für den Boden: Sie können Stickstoff aus der Luft binden und so den Boden auf natürliche Weise düngen. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit und reduziert den Bedarf an chemischen Düngemitteln, was wiederum die Umwelt schont. Außerdem sind sie getrocknet und gut gelagert sehr lange haltbar. Die vielen Vorteile der Hülsenfrüchte haben die Generalversammlung der Vereinten Nationen dazu veranlasst, den 10. Februar zum „Internationalen Tag der Hülsenfrüchte“ zu erklären, um auf die positiven Eigenschaften von Erbsen, Linsen und Co. aufmerksam zu machen. 

Veranstaltungen rund um die Hülsenfrüchtewochen:
Altes Saatgut tauschen
Sonntag, 22. Februar 2026
Bliesgau Saatgutbörse, Historische Orangerie
Schloßbergsstraße 25, 66440 Blieskastel, 11 Uhr bis 15 Uhr

Lauf des Erbsenrades am Erbsensonntag
Sonntag, 22. Februar 2026
Dem Lauf des Erbsenrades kann man jedes Jahr zu Beginn der christlichen Fastenzeit in Wadrill beobachten. Die schriftlichen Zeugnisse dazu reichen zurück bis etwa 1900, der Brauch jedoch ist sehr viel älter - er stammt noch aus vorchristlicher, das heißt gallorömischer Zeit.
Veranstaltungsort: Perscher Kopf, In der Persch, 66687 Wadrill, Beginn: 19 Uhr (nach Sonnenuntergang)

Kochbuch trifft Kochkunst-Hülsenfrüchte entdecken
Samstag, 28. Februar 2026
In der Buchhandlung Königwerden Kochbücher lebendig: Slow Food Chef Alliance Köchin Anna Keller und Slow Food Chef Alliance Koch Markus Keller von der Wern`s Mühle kochen live aus ausgewählten Hülsenfrüchte-Kochbüchern, die vor Ort erhältlich sind. Probieren, inspirieren lassen- Kochbuch mit nehmen und zuhause nachkochen!
Veranstaltungsort: Buchhandlung König, Bahnhofstraße 41, Neunkirchen 11 Uhr bis 15 Uhr.

 

Slowes Kochen mit Herz
Montag, 2. März 2026
Neuauflage des gemeinsamen "slowen" Kochens mit Hülsenfrüchten zugunsten der Kältehilfe und des Kältebusses. Veranstaltungsort: TGBBZ II Mügelsberg. Helfer sind sehr willkommen. INfos/ Anmeldung unter: saarland@slowfood.de

INTERVIEWPARTNER

Pioniere im Saarland: Bliesgau Ölmühle – das sind Patric Bies und Jörg Hector

Patric Bies interessierte sich schon früh für Landwirtschaft, Natur und Umwelt. Der gelernte Schreiner und Industriekaufmann stammt aus der Stadt Völklingen und begründet dies als ausschlaggebend für sein Interesse an der Landwirtschaft. „Aus der Stadt heraus hat man einen ganz anderen Blick auf den ländlichen Raum“, so Patrick. Seit 2007 betreibt er zusammen mit Jörg Hector die Bliesgau Ölmühle auf dem Hartungshof in Bliesransbach im UNESCO Biospärenreservart Bliesgau. Seine Motivation ist es, der heimischen Landwirtschaft Impulse zu geben und diese mit höchster Qualität und kulinarischem Genuss zu verbinden. In Zeiten des Artensterbens, des Rückgangs von Insekten- und Vogelpopulationen, ist er froh, frühzeitig Alternativen, z.B. zur Verbesserung von Ackerböden, Flora und Fauna, entgegengesetzt zu haben.

Zum Rezept der Lothringer Linsensuppe hier

Renaissance des Leindotters im Saarland

Seit etwa 21 Jahren setzen sich Patric Bies und Jörg Hector auch für die Renaissance des Leindotters im Saarland ein. Der Leindotter ist die ideale Stützpflanze für Linsen und liefert zudem das schmackhafte Leindotteröl. Schon bei den Kelten und Römern spielte das Leindotteröl eine große Rolle. Heute weiß man, dass der Gehalt an Omega- 3 Fettsäuren unverzichtbar für eine gesunde Ernährung unerlässlich ist und gerade das Leindotteröl reichlich davon enthält. Da sich auch in den letzten Jahren auch der Geschmack in unserer Gesellschaft stark verändert hat, wird der erbsig-spargelige Geschmack des Leindotteröls heute sehr gerne geschätzt und gerne für schmackhafte Rohkostsalate verwendet.

 

Beste Bodenqualität

Ideal für den Anbau von Linsen & Co. sind auch die Böden im Saarland, vor allem im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau. Dort gibt es Muschelkalkböden. Die Pflanzen der Hülsenfrüchte binden den Stickstoff aus der Luft und düngen so den Boden auf natürliche Weise, außerdem lockern sie enge Fruchtfolgen auf. Das reduziert Schädlinge und Schadorganismen und den Einsatz von Pestiziden. Wer Hülsenfrüchte aus dem Bliesgau isst, leistet einen aktiven Beitrag für Gesundheit, Landwirtschaft und Bodenqualität, so lässt sich die Intention der Bliesgau Ölmühle zusammenfassen.

 

Auswahl weiterer Projekte

- Pasta aus dem Saarland: Gemeinsam mit der Saarbrücker Nudelmanufaktur italianDelight von Tina Bonnaffini werden die Bliesgau-Nudeln hergestellt: regional, nachhaltig und lecker zugleich, zu 100 Prozent aus heimischen Rohstoffen.

- Wandern auf dem Ölschleifenweg: Der Ölschleifenweg, ein 14,5 Kilometer langer Rundwanderweg, führt vorbei an deutsch-französischen Wiesen und Feldern. Hier kann man die Pflanzen von der Blüte bis zur Ernte beobachten, aus denen dann die heimischen Speiseöle kaltgepresst werden. Zum Wanderweg Ölschleifenweg hier.

 

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