Die Handbike-Touren im Saarland
Das Reiseland Saarland bietet sechs barrierefreie Handbike-Touren, die es ermöglichen, die vielfältige Region auf inklusiven Wegen zu erkunden. Ob durch die beeindruckende Landschaft der UNESCO Biosphäre Bliesgau oder den Naturpark Saar Hunsrück oder rund um den Bostalsee – den größten Freizeitsee des Saarlandes – die Strecken bieten nicht nur sportliche Herausforderungen, sondern auch beeindruckende Naturerlebnisse. Unterwegs finden sich zudem zahlreiche Möglichkeiten zur Einkehr und Sehenswürdigkeiten, die zu einer genussvollen Pause einladen. Alle Routen sind mit dem Zertifikat „Reisen für Alle“ ausgezeichnet, ebenso die Übernachtungstipps, was für eine durchgängig barrierefreie Zugänglichkeit sorgt. Diese Zertifizierung, das auf dem deutschlandweiten Modell „Reisen für Alle“ basiert, garantiert, dass sich Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen problemlos über die Gegebenheiten vor Ort informieren können und eine barrierefreie Erkundung genießen dürfen. Dies stellt sicher, dass Übernachtungsbetriebe für alle Handbiker, unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen, zugänglich und nutzbar sind. Die Barrierefreiheit wird von speziell geschulten Erhebern geprüft und dokumentiert, basierend auf einheitlichen Kriterien. Für jeden zertifizierten Übernachtungsbetrieb gibt es detaillierte und verlässliche Informationen zur Zugänglichkeit von Zimmern, Eingängen, Bädern und anderen relevanten Bereichen. Zudem hat mindestens ein Mitarbeiter im Betrieb eine Schulung zur Barrierefreiheit absolviert, um sicherzustellen, dass die Gäste jederzeit kompetent beraten und unterstützt werden.
Informationen zu Reisen für alle hier.
Die sechs Handbiketouren im Saarland
Die Adebar-Runde - für geübte Handbiker, gut mit Bus und Bahn erreichbar
Die Adebar-Runde führt Handbiker durch das malerische Kirkeler Bachtal und die weitläufigen Bliesauen, in denen sich die Natur in ihrer ganzen Vielfalt entfaltet. Die Tour schlängelt sich durch schattige Wälder und über offene Wiesen und bietet immer wieder herrliche Ausblicke auf die imposante Kirkeler Burgruine. Ein besonderes Natur-Highlight ist das Beeder Biotop, ein artenreiches Feuchtgebiet im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau. Hier finden sich über 140 Vogelarten, darunter Weißstörche, Reiher und zahlreiche Zugvögel, die das Gebiet als Rast- und Brutplatz nutzen. Die weitläufigen Wiesen, Teiche und Auen bieten ideale Lebensbedingungen und reichlich Nahrung. Neben den Vögeln prägen auch Wasserbüffel, Heckrinder und Konik-Pferde die Landschaft und tragen zur Offenhaltung der Wiesen bei. Diese Tiere bieten nicht nur spannende Beobachtungsmöglichkeiten, sondern auch einen eindrucksvollen Einblick in die regionale Naturpflege. Die Strecke ist für erfahrene Handbiker geeignet. Die empfohlene Fahrtrichtung ist gegen den Uhrzeigersinn, sodass die vielen Neigungen und der Abschnitt mit Kopfsteinpflaster angenehm bergab verlaufen. Start- und Endpunkt ist der Bahnhof Blieskastel-Lautzkirchen, die Streckenlänge beträgt 24,7 km.
Übernachtungstipp: Hotel-Restaurant Bliesbrück, Herbitzheim
Der Wendelinus Radweg - unterwegs auf einer ehemaligen Bahntrasse
Die ehemalige Strecke der Stichbahn von St. Wendel nach Tholey wurde als Radstrecke umgebaut und heißt nun Wendelinus-Radweg. Sie ist etwa 14,6 Kilometer lang und durchgehend asphaltiert. Bis Oberthal verläuft sie überwiegend flach und ist somit auch für Handbike-Anfänger gut befahrbar. Zwischen Oberthal und Tholey gibt es dann eine Steigung von etwa 12 Prozent. Belohnt wird man mit dem Ausflugsziel Vicus Wareswald. Dabei handelt es sich um eine römische Siedlung, die im ersten Jahrhundert n. Chr. an wichtigen Handelsrouten entstand. Sie war ein Marktflecken für Reisende und Händler und wurde bis etwa 400 n. Chr. bewohnt. Heute ist der Vicus ein archäologisches Projekt, bei dem die Überreste von Häusern, Werkstätten und einem Marstempel freigelegt werden. Fragmente von Gebäuden und Mosaiken sind zu sehen. Ein besonderes Highlight ist eine Stahlkonstruktion, die den Standort des Marstempels markiert und einen Eindruck vom ursprünglichen Tempelbau vermittelt. Der Bahnhof von St. Wendel befindet sich ca. 200 m vom Startpunkt der Tour entfernt.
Übernachtungstipps: Jugendherberge Tholey; Angels- das Hotel am Fruchtmarkt und angel- das Hotel am Golfpark in St. Wendel; Ferienwohnung Maas
Handbike Tour Bliestal-Freizeitweg – kombinierbar mit der Adebar Runde
Der 17 Kilometer lange Bliestal-Freizeitweg führt an der Blies entlang, dem längsten Fluss des Saarlandes. Die Tour startet am Bahnhof Blieskastel-Lautzkirchen und führt über Blieskastel, Blickweiler, Breitfurt, Bliesdalheim, Herbitzheim und Gersheim bis nach Reinheim an der französischen Grenze. Die charakteristische Naturlandschaft des Bliesgaus setzt sich aus weit ausladenden Streuobstbeständen, artenreichen Magerwiesen, ausgedehnten Buchenwäldern und einer von der stark mäandrierenden Blies durchzogenen Auenlandschaft zusammen. Der drei Meter breite, asphaltierte Radweg führt mitten durch diese Auenlandschaft. Besonders sind die Relikte aus früherer Zeit, die Kilometersteine der Bahn. So weiß man immer genau, wie weit es noch zum Zielpunkt ist. Gleich zu Beginn der Tour erreicht man die Barockstadt Blieskastel. Ihr historischer Kern umfasst 154 architektonische Denkmäler aus der Epoche des Barock. Am Ende der Radtour lohnt sich ein Besuch des grenzüberschreitenden Europäischen Kulturparks Bliesbrück-Reinheim.
Übernachtungstipp: Hotel-Restaurant Bliesbrück, Herbitzheim
Der Freizeit- und Skaterweg Reeden, Erlebnisort Reeden
Der Erlebnisort Reden ist ein gelungenes Beispiel für die Umwandlung eines ehemaligen Bergwerksgeländes in einen modernen Freizeit- und Erholungspark. Nachdem der Bergbau in Reden im Jahr 1997 eingestellt wurde, begann das Bergbauunternehmen RAG mit dem Rückbau- und Sanierungskonzept. Anstatt das Gelände einfach aufzugeben, wurde 2001 die Industriekultur Saar GmbH (IKS) mit der Umgestaltung des Areals beauftragt. Das Ziel bestand darin, die Industriegeschichte mit den Bereichen Nachhaltigkeit, Freizeit und Tourismus zu verbinden. Ein zentrales Element des Projekts war der Erhalt der einzigartigen geologischen Formen der Region wie Hügel und Täler bei gleichzeitiger Schaffung neuer Freizeitmöglichkeiten. Besonders markant ist die 90 Meter hohe Halde, die durch den Bergbau entstanden ist. Im Rahmen der Umgestaltung wurde ein Skater- und Freizeitweg entlang der Halde und durch die landschaftlich abwechslungsreiche Umgebung angelegt. Er ist insgesamt 4,8 Kilometer lang, verläuft in der Form einer Acht und bietet den Handbikern auch die Möglichkeit, eine kürzere Strecke zu wählen. Runde 1 ist 2,5 Kilometer lang, Runde 2 misst 2,3 Kilometer und kommen selbst fast ohne Gefälle aus. Die Touren bieten atemberaubende Ausblicke über das Tal und die weitläufige Region. Der Freizeit- und Skaterweg Reden Weg kann über den Parkplatz in der Straße „Am Nusskopf“ ohne Steigung erreicht werden.
Übernachtungstipp: Hotel-Bistro-Europa & Casa Carabinieri, Merchweiler
Freizeitweg rund um den Bostalsee
Der 6,8 Kilometer lange Rundweg um den Bostalsee bietet Handbikern eine attraktive, barrierefreie Strecke durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Der See ist mit einer Fläche von 120 Hektar und einer maximalen Tiefe von 20 Metern der größte Freizeitsee im Südwesten Deutschlands. Er liegt im Naturpark Saar-Hunsrück. Auf dem Wasser sind Segler, Surfer und Tretbootfahrer aktiv, während man entlang des Weges immer wieder schöne Aussichten auf das Geschehen auf dem See hat. Parallel zur Strecke verläuft der Astro-Erlebnisweg mit interaktiven Stationen zur Astronomie. Auch das Kunstzentrum Bosener Mühle, das Ausstellungen zeigt und Kunstkurse anbietet, liegt an der Strecke. Sehenswert sind zwei Kunstwerke der Skulpturenstraße St. Wendel, die auf ein internationales Bildhauersymposion aus dem Jahr 1971 zurückgehen. Wer eine Pause einlegen möchte, kann in einem der zahlreichen Restaurants oder Cafés einkehren. Die Tour startet an der Seeverwaltung und der Tourist-Information des Landkreises St. Wendel.
Übernachtungstipp: Center Parcs Bostalsee; Campingplatz Bostalsee; Seezeitlodge Bostalsee
Bahnradweg Sankt Wendeler Land
Der 30 Kilometer lange Bahnradweg Sankt Wendeler Land verbindet die drei Gemeinden Freisen, Nohfelden und Nonnweiler. Der flache und asphaltierte Weg führt auf einer Länge von 30,5 Kilometern durch das Sankt Wendeler Land. Die Strecke verläuft durch die Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück und am Rande des Nationalparks Hunsrück-Hochwald und ermöglicht eine angenehme Fahrt durch herrliche Naturlandschaften. Der liebevoll gestaltete Bahnradweg greift immer wieder das Thema der ehemaligen Hochwaldbahn auf. Entlang der Strecke erinnern kleine Details an die Zeit der Eisenbahn: eine Holzrutsche in Form einer Lokomotive an einem Rastplatz, auf dem Boden abgebildete Gleise oder grüne Andreaskreuze entlang des Weges. Die Tour startet am Rathaus von Freisen und endet in Bierfeld.
Übernachtungstipp: Gästehaus Braunshausen, Nonnweiler-Braunshausen; Ferienwohnung Haagalm, Nonnweiler
Weitere Informationen zu den Handbike-Routen hier.
Christoph Becker & Hartmut Heinke: Experten für Handbiketouren im Saarland
Christoph Becker ist seit 2014 Handbiker und aufgrund einer neurodegenerativen Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen. Das Handbike gibt ihm die Möglichkeit, selbstständig mobil zu sein und aktiv zu bleiben. Christoph fährt regelmäßig, mindestens zweimal pro Woche, besonders gerne auf der Adebar-Runde in Blieskastel. Er ist Familienvater und fährt auch oft gemeinsam mit seiner Frau. Christoph ist auch Leiter der Kontaktstelle Selbsthilfe Körperbehinderter in Schiffweiler und für den Raum Neunkirchen-Homburg zuständig.
Hartmut Heinke ist seit einem Querschnittsunfall 2007 auf den Rollstuhl angewiesen. Er fährt seit 2010 Handbike und hat sich das Gerät als gelernter Schlosser individuell angepasst. Hartmut fährt jährlich etwa 4.000 Kilometer. Besonders gerne fährt er rund um den Bostalsee, aber auch längere Strecken von bis zu 50 Kilometern. Er war über zehn Jahre Trainer der Sportgruppe für körperlich beeinträchtigte Menschen in Rehlingen und ist ebenfalls Leiter der Kontaktstelle Selbsthilfe Körperbehinderter in Oberthal, zuständig für den Raum St. Wendel.
Geschichte des Handbikes – Vom Reha-Gerät zur Reisemobilität
Die Geschichte des Handbikes beginnt mit Stephan Farfler, einem Uhrmacher aus dem 17. Jahrhundert, der 1655 für sich ein dreirädriges, handbetriebenes Fahrzeug baute. Dieses gilt als Vorläufer des modernen Handbikes, da es die Grundlage für die Entwicklung von Fahrrädern und Rollstühlen legte. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde das Handbike als Reha-Hilfsmittel weiterentwickelt. Die ersten Modelle waren schwer und nur für kurze Trainingseinheiten geeignet. Um 1980 begannen Pioniere aus der Rollstuhlsport-Szene, sportlichere, leichtere Handbikes zu entwickeln, die auch für längere Strecken geeignet waren. Ab den 1980er Jahren etablierte sich Handbiken auch als Sportart. 2004 wurden Handbike-Rennen bei den Paralympics erstmals als Teil des Para-Cycling-Programms ausgetragen. Mit der zunehmenden Verbreitung moderner Handbikes wuchs die Idee, sie nicht nur als Sportgeräte, sondern auch als Mittel zur aktiven Mobilität und Freizeitgestaltung zu nutzen. Besonders asphaltierte Radwege und ehemalige Bahntrassen bieten ideale Bedingungen für lange Handbiketouren, die es Menschen mit eingeschränkter Mobilität ermöglichen, neue Wege zu entdecken, Natur zu erleben und soziale Kontakte zu pflegen. Heute sind Handbike-Touren eine gängige Form der Freizeitgestaltung für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.