Das war der Green Tourism Day 2026

Zukunftsfähiger Tourismus im Fokus: Beim Green Tourism Day Saarland 2026 kamen rund 50 Akteur*innen zusammen, um zentrale Fragen zu Nachhaltigkeit und Resilienz zu diskutieren. Welche Ansätze sich als praktikabel erwiesen haben und welche Impulse daraus entstanden sind, zeigt die Übersicht der wichtigsten Ergebnisse und Praxisbeispiele.

Green Tourism Day Saarland 2026
Green Tourism Day Saarland 2026 © Johanna Apel

Zukunftsfähiger Tourismus: begeisternd. wirtschaftlich. glaubwürdig. resilient.

Knapp 50 engagierte Akteur*innen aus dem saarländischen Tourismus kamen am Innovation Campus der Universität des Saarlandes zusammen, um gemeinsam an einem zukunftsfähigen Tourismus zu arbeiten. Spürbar war: Nachhaltigkeit bewegt – und sie verbindet. Die Stimmung war offen, konstruktiv und von echtem Gestaltungswillen geprägt.

Im Fokus standen konkrete Fragen: Wie begeistern wir Gäste und Mitarbeitende für nachhaltiges Verhalten? Wie kommunizieren wir glaubwürdig und rechtssicher? Welche Investitionen sind sinnvoll – und welche rechnen sich langfristig? Auch Resilienz zog sich dabei als roter Faden durch den Tag: Angebote klimafit weiterentwickeln, neue Zielgruppen erschließen, Ressourcen effizienter nutzen und so unabhängiger von Krisen und Kostensteigerungen werden.

Praxisimpulse und Workshops zeigten: Es geht nicht um Perfektion, sondern um machbare Schritte. Jetzt heißt es dranbleiben – gemeinsam für einen Tourismus, der begeistert, wirtschaftlich stark und zukunftsfähig ist.

Keynote: Klimapsychologie: Was Menschen wirklich vom Handeln abhält

Die Keynote von Fabian Hirt eröffnete den Green Tourism Day mit einer klaren und zugleich praxisnahen Perspektive auf Veränderungsprozesse im Tourismus. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum nachhaltige Entscheidungen im Alltag oft ausbleiben, obwohl das Bewusstsein dafür längst vorhanden ist. Ein Großteil der Menschen hält Nachhaltigkeit für wichtig und kennt die grundlegenden Zusammenhänge, dennoch zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen Wissen und tatsächlichem Handeln.

Hirt machte deutlich, dass diese Lücke weniger mit fehlenden Informationen zu tun hat, sondern vielmehr mit psychologischen Mechanismen. Entscheidungen werden nicht nur rational getroffen, sondern stark durch Emotionen, Gewohnheiten und das soziale Umfeld geprägt. Wenn diese Ebenen nicht angesprochen werden, bleiben selbst gut gemeinte Maßnahmen wirkungslos. Er zeigte typische Hürden auf, die Veränderung verhindern können. Dazu gehören das Gefühl, keinen Einfluss zu haben, fest verankerte Routinen im Alltag, die Orientierung am Verhalten anderer sowie die Sorge vor zusätzlichen Kosten oder Nachteilen. Gleichzeitig liegt genau hier der Ansatzpunkt für erfolgreiche Strategien.

Erfolgreiche Ansätze knüpfen an bestehende Motive an, etwa an Komfort, Wirtschaftlichkeit oder Qualität und machen neue Verhaltensweisen leicht umsetzbar. Beispiele aus der Praxis, Vorbilder und kleine, konkrete Schritte können dabei eine große Wirkung entfalten.

Die Folien zur Keynote können gerne bei Sabrina Deutsch angefragt werden.

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Wissensimpuls 1: Glaubwürdig nachhaltig im Tourismus – wirtschaftlich erfolgreich am Markt 

In ihrem Impulsvortrag machte Dr. Marie-Louise Brunner deutlich, dass glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation weit mehr ist als „grüne“ Schlagworte. Sie zeigte auf, dass Vertrauen durch transparente, authentische und faktenbasierte Kommunikation entsteht. Gleichzeitig sollte die Zielgruppe Ausgangspunkt der Überlegungen sein, um psychologische Mechanismen berücksichtigen und unterschiedliche Motivationstypen gezielt ansprechen zu können. Auch der Einsatz verschiedener Strategien wie Framing, Storytelling oder Gamification könne helfen, Nachhaltigkeit wirksam zu vermitteln.

Empfehlungen für die Praxis:

  • Nachhaltigkeitsziele und Fortschritte offen kommunizieren.
  • Aussagen auf eine zuverlässige, wissenschaftlich fundierte Grundlage stellen
  • Kommunikationsformate testen (z. B. Storytelling oder spielerische Anreize) und auf Zielgruppen abstimmen
  • Nachhaltigkeit sichtbar in Produkten, Dienstleistungen und Markenidentität verankern.

Wissensimpuls 2: Verhalten verstehen. Wirkung erzielen. – Wie kleine Impulse nachhaltiges Verhalten im Tourismus fördern

Nudging beschreibt die gezielte Gestaltung von Entscheidungsumgebungen, um Menschen sanft in eine gewünschte Richtung zu lenken – ohne Verbote oder finanzielle Anreize. Im Tourismus kann Nudging genutzt werden, um nachhaltigeres Verhalten von Gästen zu fördern, indem man versteht, wie Entscheidungen entlang der Visitor Journey getroffen werden und gezielt an relevanten Kontaktpunkten ansetzt.

Nudges wirken subtil: Sie erhalten die Entscheidungsfreiheit, machen gewünschtes Verhalten aber wahrscheinlicher.

 

Erfolgsfaktoren:

  • Verständnis von Verhalten und Entscheidungsprozessen
  • Platzierung an den richtigen Touchpoints
  • klare, sichtbare und einfache Gestaltung

 

Typische Nudging-Ansätze im Tourismus:

  • Voreinstellungen ändern (z. B. keine automatische Zimmerreinigung)
  • Hürden abbauen (z. B. einfache Ticketsysteme)
  • Komfort erhöhen (z. B. Shuttle-Angebote)
  • Soziale Normen nutzen („80 % reisen mit ÖPNV“)
  • Konsequenzen sichtbar machen (z. B. Auslastungsanzeigen)

 

Vorteile: kostengünstig, einfach umsetzbar, große Wirkung möglich
Herausforderungen: ethische Fragen, Transparenz, unterschiedliche Wirkung auf Zielgruppen

Wissensimpuls 3: Resilienz als Wettbewerbsfaktor im Tourismus

In der Präsentation zum Thema „Resilienz als Wettbewerbsfaktor“ wurde die Fähigkeit von touristischen Unternehmen und Destinationen hervorgehoben, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, sich an ändernde Bedingungen anzupassen, Bedrohungen vorzubeugen, von Rückschlägen zu erholen und auf mögliche Herausforderungen vorzubereiten. Resiliente Unternehmen und Destinationen sind somit in der Lage, zukünftigen Umwelt- und Umfeldveränderungen flexibel entgegenzutreten und in Krisensituationen schnell zu reagieren, aber auch langfristige Anpassungs- und Transformationsstrategien anzustoßen.

Das Thema Resilienz steht auch im Mittelpunkt des Interreg-Projekts „Nachhaltige Transformationsprozesse für den Tourismus in der Großregion“ (TRAFO GR). Im Rahmen des Projekts wird derzeit ein Online-Selbstcheck entwickelt, der dazu beiträgt, den Tourismus im Saarland und in der Großregion resilienter aufzustellen. Ab Sommer 2026 steht dieses Tool touristischen Akteur*innen zur Verfügung, um den eigenen Status Quo im Hinblick auf Resilienz zu erfassen und mithilfe individueller Handlungsempfehlungen die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Wissensimpuls 4: Nachhaltigkeitsinvestitionen strategisch entscheiden

Bei der Vorstellung bestehender Fördermöglichkeiten für touristische Betriebe im Saarland durch Susanne Niklas und Elena Dreßler vom Wirtschaftsministerium wurde deutlich, dass Investitionen in die Weiterentwicklung des eigenen Betriebs in vielen Fällen gezielt unterstützt werden können. Insbesondere Maßnahmen zur Modernisierung, zur Steigerung der Energieeffizienz oder zur qualitativen Weiterentwicklung lassen sich mit Fördermitteln kombinieren und wirtschaftlich besser umsetzen. Zentrale Programme sind das Mittelstandsprogramm zur Stärkung der Nachhaltigkeit im Gastgewerbe und die gewerbliche Tourismusförderung. Diese Programme richten sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen und unterstützen Investitionen in Gebäude, Ausstattung und betriebliche Weiterentwicklung.

Wie diese Möglichkeiten konkret genutzt werden, zeigte sich im anschließenden Austausch mit den Betrieben. Björn Gehl-Bumb vom Hotel am Triller, Peter Trösch vom Peter‘s Hotel & Spa und Lena Mörsdorf vom Landhaus Mörsdorf berichteten von ihren Investitionen in Gebäude, Technik und Energieeffizienz sowie in die Weiterentwicklung ihrer Angebote. Der direkte Austausch mit den beteiligten Akteur*innen ermöglichte es, Prozesse transparent zu machen, Erfahrungen aus der Praxis zu teilen und konkrete Einblicke zu geben.

Workshop Kommunikations- und Nudgingmaßnahmen

Im Workshop arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen daran, konkrete Kommunikations- und Nudgingmaßnahmen für ihre eigenen Betriebe und Destinationen zu entwickeln. Im Fokus stand die Frage: Wie lassen sich Gäste an zentralen Touchpoints für Nachhaltigkeit begeistern und zu bewussteren Entscheidungen inspirieren? Während in den Social-Media-Kanälen vor allem Geschichten, Gesichter und Emotionalität, aber auch Challenges wirken, sucht der Gast auf der Website Vertrauen und Orientierung. Nachhaltige Optionen können als Standard gesetzt (Default-Effekt) oder positiv gerahmt werden – nicht als Verzicht, sondern als Erlebnisgewinn. Vor Ort machen Nudges und positive Wow-Erlebnisse Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Faktor der Gästebegeisterung und -bindung. Der Workshop zeigte: Viele kleine, klug gesetzte Impulse können große Wirkung entfalten – wenn sie konsequent entlang der gesamten Guest Journey gedacht werden.

Workshop Resilienz

Im Workshop „Von reaktiv zu resilient – fit für die Zukunft“ stand die Analyse eigener Krisenerfahrung und aktueller Herausforderungen mit dem Ziel, sich über bereits umgesetzte Maßnahmen auszutauschen und gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln, im Mittelpunkt. Genannte präsente Herausforderungen und Krisen sind unter anderem Extremwetter, Pandemien, Fachkräftemangel sowie steigende Kosten durch Inflation. Die Diskussion diente dazu, sowohl Schwachstellen als auch Stärken im Umgang mit Krisen zu identifizieren und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Dazu zählen bspw. eine Karte der Kühlen Orte, digitale Informationsstelen, Ideen zur Saisonverlängerung, das Herausarbeiten von Alleinstellungsmerkmalen, die Nutzung von Fördermitteln und verschiedene Benefits zur Mitarbeitendenbindung. Die Ideensammlung zeigte deutlich, dass Maßnahmen sowohl klein und schnell umsetzbar als auch umfassend und langfristig sein können. Der Austausch und die gemeinsame Entwicklung neuer Ideen erweisen sich dabei als besonders wertvoll.

Gemeinsam weitergehen

Nachhaltigkeit beginnt nicht mit Perfektion, sondern mit Haltung und Entscheidung. Jeder Betrieb, jede Destination und jede Institution kann einen Beitrag leisten – im Kleinen wie im Großen.

Der Green Tourism Day 2026 war kein Endpunkt, sondern ein Aufbruch. Die Impulse des Tages laden dazu ein, Ideen weiterzudenken, Partnerschaften zu vertiefen und konkrete Schritte umzusetzen.

Lassen Sie uns den Tourismus im Saarland gemeinsam begeisternd, wirtschaftlich erfolgreich, glaubwürdig – und resilient gestalten.

Wir freuen uns auf den weiteren Austausch und auf viele mutige, nachhaltige Projekte in der Region.

Sabrina Deutsch

Sabrina Deutsch

Themen- und Projektmanagerin Natur und Genuss, Nachhaltigkeitsbeauftragte

Tourismus Zentrale Saarland GmbH

Erik Hoffmann

Erik Hoffmann

Themen- & Projektmanager Nachhaltigkeit

Tourismus Zentrale Saarland GmbH