Experten für Wandern im Saarland

Klaus Wallach und Frank Polotzek

Herr Wallach, wie sind Sie zum Tourismus gekommen? Haben Sie auch persönlich Interesse am Thema „Wandern“?

Schon während meiner Schulzeit hatte ich die Ferien dazu genutzt, Europa zu bereisen. Meistens war ich dann mit wenig Geld in der Tasche und viel Gepäck auf dem Rücken unterwegs (lacht). So z. B. auf Trekkingwegen in Norwegen und Finnland oder auf dem West-Highland-Way in Schottland. An der Fachhochschule Worms habe ich mich dann auch in der Theorie mit „Tourismus“ beschäftigt. Erste praktische Erfahrungen im Destinationsmanagement konnte ich als Geschäftsführer der regionalen Tourismusorganisation Pfalz-Touristik sammeln. Als gebürtiger Zweibrücker war es für mich dann nur ein kleiner Schritt ins Saarland, wo ich mich seither bei der TZS um Projektkoordination und Produktentwicklung kümmere.
Die Freude am (einfachen) Reisen ist mir bis heute geblieben. In meiner Freizeit bin ich gerne draußen in der Natur unterwegs. Und die ursprünglichste Art, sich in der Natur zu bewegen, ist für mich das Wandern. Im Urlaub wird daraus gerne auch mal Bergsteigen oder Klettern.

Herr Polotzek, keiner kennt die Wanderwege im Saarland so gut wie Sie. Was genau ist Ihre Aufgabe bei der TZS?

Ich bin für die Qualitätssicherung der Rad- und Wanderwege im Saarland zuständig. Für das Projekt "Wandern" heißt das: ich gehe alle Premiumwanderwege - und das sind mittlerweile über 60 -  einmal im Jahr persönlich ab. Ich prüfe dabei die Qualität des Weges und die der Markierungen sowie den Zustand der Infrastruktur. Die erfassten Daten stelle ich nach der Begehung im Büro zusammen und leite sie an die zuständigen Landkreiskollegen und Wegebetreiber weiter. So können wir Mängel und Störungen, sollte ich welche festgestellt haben, zeitnah nachbessern.
Bei der Qualitätssicherung hilft uns auch unsere Saarland Touren App. Wanderer können mit dem Mängeldetektiv Störungen aufnehmen und direkt an uns weiterleiten. Ich kümmere mich dann darum, dass die Mängel zeitnah beseitigt werden.

Wandern Sie denn dann auch gerne noch privat oder haben Sie dank Ihres Berufs genug davon?

Ich nehme auch in meiner Freizeit gerne die eine oder andere Wanderung mit. Aber im Urlaub setze ich eher andere Prioritäten. (lacht) Generell fahre ich privat lieber Rad. Das ist für mich die beste Gelegenheit, den Kopf frei zu kriegen.

Herr Wallach, welche Bedeutung hat das Thema Wandern für das Saarland als Reisedestination? Sehen Sie auch Schwächen, wenn Sie das Angebot für Wanderer im Saarland betrachten?

Das Saarland hat sich in den vergangenen 10 Jahren zu einer echten Wanderdestination entwickelt. Den Qualitätsgedanken haben wir sehr früh aufgegriffen und das Angebot konsequent danach ausgerichtet. Der Saar-Hunsrück-Steig hat als Fernwanderweg während dieser Phase eine bedeutende Rolle gespielt und ist zum touristischen Leitprodukt im saarländischen Wandertourismus geworden. Parallel sind viele neue Premiumwanderwege als Tages- oder Halbtagestouren entstanden. Aber nicht nur die Wegequalität und die Dichte des Wege-Angebotes sind wichtig. Zu einem rundum gelungenen Wandererlebnis gehört auch eine schöne Einkehr. Diese Kombination können wir bei vielen Wegen leider nicht bieten, weil entweder keine Gastronomie am Weg vorhanden ist oder die Öffnungszeiten nicht wanderfreundlich sind.

Was unterscheidet denn Wanderer von anderen Zielgruppen? Müssen hier besondere Kundenwünsche erfüllt werden?

Wallach: Für Wanderer steht das Natur- und Landschaftserlebnis bei den Reisemotiven an oberster Stelle. Und eine gute Orientierung vor Ort ist wichtig. Klar, wer möchte schon gerne unnötige Umwege machen oder sich verlaufen, wenn er zu Fuß unterwegs ist. Die Kriterien des Deutschen Wandersiegels gehen auf diese Motivlage sehr gut ein und setzen zum Beispiel eine einwandfreie Beschilderung der Premiumwanderweg voraus.

Wer sich an den Kriterien für Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland orientiert, der erfüllt sicherlich die wichtigsten Wünsche der Wanderer.

Wallach: Der Deutsche Wanderverband bietet ein Qualitätssiegel für Gastgeber mit einem gastronomischen oder Übernachtungsangebot in der Nähe von Wanderwegen an. Die Kriterien gehen im Detail auf die besonderen Anforderungen von Wanderern ein. Das fängt bei den Öffnungszeiten an und hört beim Trockenraum für nasse Klamotten auf. Wer sich an den Kriterien für Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland orientiert, der erfüllt sicherlich die wichtigsten Wünsche der Wanderer.

Polotzek: Ich glaube auch, dass die Zertifizierung der Wanderwege an sich ein starkes Zugpferd bleiben wird. Viele Wanderer kennen die Qualitätssiegel für Wanderwege und haben entsprechende Erwartungen an ihr Wandererlebnis. Dazu gehört natürlich auch eine Einkehr, die den Aufenthalt in der Natur kulinarisch abrundet. Da ist es dann besonders wichtig, dass es wanderfreundliche Gastgeber in der Nähe der Tour gibt.

Wie stellen Sie sich das touristisch Angebot der Zukunft vor, bezogen auf die Zielgruppe „Wanderer“?

Polotzek: Aktuell haben wir 68 Premiumwanderwege. Dazu kommt der Saar-Hunsrück-Steig als ausgezeichneter Fernwanderweg und die kommunalen Wanderwege. Wir sind also, was das Angebot an Wegen angeht, sehr gut aufgestellt. Wir müssen uns darauf konzentrieren, die Qualität der Wanderwege aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen. Damit das Saarland weiterhin als Wanderdestination wahrgenommen wird, sind die Verbesserung der Einkehrmöglichkeiten an Wanderwegen und deren Service-Bewusstsein essentiell.

Wallach: Für den Wanderer wird auch in der Zukunft das Erleben der Natur das bestimmende Motiv bleiben. Wahrscheinlich wird es sogar noch an Bedeutung zulegen. Naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten wie komfortable Baumhäuser und Hütten bis hin zu einfachen Campgrounds könnten zu einem attraktiven Angebot werden. Ich sehe aber noch eine parallele Entwicklung: Die Digitalisierung bringt es mit sich, dass schon heute viele Informationen zur Planung einer Wanderung zur Verfügung stehen. Das Angebot an digitalen Informationen rund um das Wandern wird sich in naher Zukunft noch vervielfachen, was für den Wanderer ein Gewinn sein kann. Er sollte dabei nur nicht aus den Augen verlieren, warum er eigentlich losgewandert ist… (lacht)

Die Verbesserung der Einkehrmöglichkeiten an Wanderwegen und deren Service-Bewusstsein sind essentiell.

Vielen Dank für das Interview! Gibt es etwas, das Sie den Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Wallach: Mit auf den Weg geben möchte ich allen Lesern, insbesondere denen die gerne Wandern und Draußen aktiv sind, unsere Saarland Touren-App. Empfehlen Sie diese gerne auch Ihren Gästen. Wir freuen uns über jede Rückmeldung mit dem Mängeldetektiv!

Polotzek: Denken Sie dran: Bewegung ist gesundheitsfördernd! Und Ihre Gäste werden es Ihnen danken, wenn Sie persönliche Empfehlungen geben können. Also lernen Sie die Wege in Ihrer Umgebung selbst kennen, am besten mit der Saarland Touren App im Gepäck.

Ansprechpartner
Klaus Wallach
Tourismus Zentrale Saarland GmbH
E-Mail wallach@tz-s.de
Tel. 0681 92720-23

Ansprechpartner
Frank Polotzek
Tourismus Zentrale Saarland GmbH
E-Mail polotzek@tz-s.de
Tel. 0681 92720-34

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