Netzwerk Hören

Carola Heimann, Projektleitung

Frau Heimann, wo kommen Sie her und wo wollen Sie hin? Was ist Ihre Aufgabe beim NETZWERK HÖREN?

Mein beruflicher Weg ist ein Weg mit vielen Stationen. Ich war Erzieherin und bin dann zu einem Geographiestudium gekommen, das mich im Jahr 2000 in den Deutschlandtourismus führte. Zwischenzeitlich  verbrachte ich einige Jahre im Naturpark Lahn-Dill-Bergland als Geschäftsführerin, bevor ich 2015 ins Saarland zurückgekehrt bin. Seit gut einem Jahr leite ich nun das Projekt NETZWERK HÖREN, das bei der Tourismus Zentrale Saarland angedockt ist.

Ich möchte Triebfeder und Anstifterin sein, das Projekt auf einen guten Weg zu bringen.

Menschen mit Hörschädigung sollen zusätzlich zu den hervorragenden medizinischen Versorgungsleistungen  im Saarland auch ein touristisches Angebot vorfinden, das ihre Bedürfnisse berücksichtigt.

Barrierefreiheit im Allgemeinen und die Bedürfnisse von Menschen mit Hörschädigung im Speziellen sind eher sensible Themen in der Gesellschaft. Was ist Ihnen persönlich daran wichtig?

Für hörgeschädigte Menschen gibt es deutschlandweit kaum ein touristisches Angebot. Darüber hinaus werden sie gar nicht als Zielgruppe wahrgenommen. Dabei gibt es in Deutschland ca. 14 Mio Menschen, die von einer Hörschädigung betroffen sind.  Es soll ein touristisches Angebot für Menschen mit Hörschädigung geben, das sie  mühelos nutzen können. Schon bei der Ankunft im Hotel muss der Gast merken, dass er willkommen und sein Gastgeber auf  seine Bedürfnisse eingestellt ist. Und ebenso soll er beispielsweise ohne Höranstrengung an Führungen, Veranstaltungen  und anderen Aktivitäten teilnehmen können.

Wie würden Sie Ihre Kernaufgabe beschreiben?

Ich sehe meine Aufgabe darin, den Aufenthalt betroffener Gäste und Patienten der Kliniken im Saarland zu bereichern. Ich möchte ein starkes Netzwerk aufbauen , das für dieses Thema brennt; in dem sich möglichst viele Mitstreiter für die Weiterentwicklung auf der Angebotsseite einsetzen. Dafür ist vor allem die Sensibilisierung der touristischen Akteure wichtig. Die Zielgruppe bekannt machen, Möglichkeiten aufzeigen und passende Angebote entwickeln – das Saarland hat die Chance, sich mit dem NETZWERK HÖREN als Vorreiter  zu positionieren. Daran arbeiten wir.

Nun ist das NETZWERK HÖREN ja noch jung. Wie geht es weiter?

Wir starten jetzt mit Marketingmaßnahmen, weil wir mit dem NETZWERK HÖREN in den Quellgebieten und bei der Zielgruppe bekannt werden wollen. Zusätzlich entwickeln wir ein Siegel für Betriebe und Dienstleister, die ein Angebot für Menschen mit Hörschädigung haben. Die Ersten sollen im nächsten Jahr mit der Plakatte „Hören mit Herz“ ausgezeichnet werden. Und es wird ein Konzept zur hörfreundlichen Angebotsgestaltung  im Tourismus geben. Wir haben also viel zu tun! (lacht) 

 

Für wen ist das NETZWERK HÖREN da? Gibt es auch Beteiligungsmöglichkeiten für Hoteliers und Gastronomen?

Das NETZWERK HÖREN richtet sich an alle, die den Tourismus im Saarland weiter voranbringen möchten. Dazu gehören selbstverständlich auch Hoteliers und Gastronomen. Eine Spezialisierung auf Medizin- und Gesundheitstourismus ist dafür nicht erforderlich. Es geht in erster Linie darum, ein flächendeckendes Angebot für Menschen mit Hörschädigung und ihre Angehörigen zu schaffen.

Wie kommt das Gastgewerbe an Informationen zum NETZWERK HÖREN?

Ich stehe als Ansprechpartnerin sehr gerne zur Verfügung. Das Internetportal hoeren.saarland informiert auch über Netzwerkpartner und Klinken. Außerdem bietet es einen guten Überblick über hörfreundliche Freizeitangebote und Veranstaltungen im Saarland. Auf der Tourismuslotsenseite gibt es spezifische Informationen für Hoteliers und Gastronomen, die sich am Netzwerk beteiligen wollen. Außerdem kann man im Online-Lotsen-Check Lotsenpunkte bei der Beantwortung der Checkliste zum Thema „Hören“ sammeln. 

Vielen Dank für das Interview, Frau Heimann. Welche abschließenden Worte möchten Sie unseren Lesern mitgeben?

Wir brauchen Partner, die sich gemeinsam mit uns auf den Weg machen und als Pioniere eine Vorbildfunktion einnehmen. Das ist eine nicht ganz einfach Hürde, denn damit sind persönlicher Einsatz und unter Umständen auch ein finanzieller Aufwand verbunden.

Doch ich bin optimistisch, was die weitere Entwicklung des NETZWERKS HÖREN angeht, weil ich in Gesprächen merke, dass viele saarländische Tourimusakteure das Herz am rechten Fleck haben.

Ansprechpartnerin
Carola Heimann
E-Mail heimann@tz-s.de
Tel. 0681 92720-30
www.hoeren.saarland

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